Rückrufservice

Abgasskandal - Händler muss Kaufpreis für Wohnmobil mindern

25.08.2021

Der Abgasskandal hat auch vor Wohnmobilen nicht Halt gemacht. Besonders betroffen sind Camper auf Basis eines Fiat Ducato. Das Landgericht Stade hat nun einen Händler zu Schadenersatz verurteilt. Mit Teilversäumnisurteil vom 17. August 2021 hat das Gericht entschieden, dass der Kunde das Wohnmobil behalten darf und ihm der Händler im Wege des sog. kleinen Schadenersatzes eine Kaufpreis-Minderung gewähren muss (Az.: 2 O 175/21).

Der Kläger in dem zu Grunde liegenden Verfahren hatte im Juli 2019 ein Wohnmobil auf Basis eines Fiat Ducato mit 2,3-Liter-Dieselmotor und der Abgasnorm Euro 6b gekauft. Abgasmessungen der Deutschen Umwelthilfe und auch des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) haben gezeigt, dass das Modell die Grenzwerte für den Stickoxid-Ausstoß übersteigt. Der Kläger machte daher Schadenersatzansprüche geltend.

Er argumentierte, dass die Abgasnachbehandlung nach ca. 22 Minuten deaktiviert würde. Damit sei sie gerade lang genug für den rund 20-minütigen Abgastest im Prüfmodus aktiv. Somit habe es den Anschein, als ob das Fahrzeug den Grenzwert für den Stickoxid-Ausstoß einhalten würde. Tatsächlich steige der Emissionsausstoß erheblich an, sobald die Abgasnachbehandlung deaktiviert ist.

Da sich das Fahrzeug noch in der zweijährigen Gewährleistung befand, machte der Kläger seine Ansprüche sowohl gegen Fiat Chrysler Automobiles (inzwischen Stellantis) als auch gegen den Händler geltend. Da sich die Beklagten nicht zu den Vorwürfen äußerte, erließ das LG Stade ein Teilversäumnisurteil und entschied, dass der Händler eine Minderung des Kaufpreises erstatten müsse. Die Kaufpreisminderung schätzte das Gericht auf 25 Prozent, fast 18.000 Euro. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, innerhalb von zwei Wochen kann gegen die Entscheidung Einspruch eingelegt werden.

„Wie das Urteil zeigt, lohnt es sich auch im Wohnmobil-Abgasskandal Schadenersatzansprüche geltend zu machen. Auch der Anspruch auf den sog. kleinen Schadenersatz kann gerade bei Wohnmobilen sehr interessant sein“, sagt Rechtsanwalt Frederick M. Gisevius, BRÜLLMANN Rechtsanwälte.

Beim großen Schadenersatz kann der Kläger im Abgasskandal gegen Rückgabe des Fahrzeugs die Erstattung des Kaufpreises abzüglich einer Nutzungsentschädigung für die gefahrenen Kilometer verlangen. Beim kleinen Schadenersatz kann er das Fahrzeug hingegen behalten und hat Anspruch auf eine Minderung des Kaufpreises.

Die Kanzlei BRÜLLMANN Rechtsanwälte ist Kooperationspartner der IG Dieselskandal und bietet Ihnen eine kostenlose Ersteinschätzung Ihrer Möglichkeiten an. Sprechen Sie uns an.

Abgas-Skandal

Hier mehr zu diesem Rechtsgebiet erfahren oder anrufen +49 711 - 520 888 0.
Gerne können Sie uns eine Mail senden an info@bruellmann.de

Mehr Informationen: https://bruellmann.de/wohnmobile-abgasskandal

Ansprechpartner

Sekretariat: Frau Kalaitsidou
Tel:  0711 / 520 888 - 29
Fax: 0711 / 520 888 - 23  
E-Mail: f.gisevius@bruellmann.de

Kontaktieren Sie uns

Ich stimme zu, dass meine Angaben aus dem Kontaktformular zur Beantwortung meiner Anfrage erhoben und verarbeitet werden. Die Daten werden nach abgeschlossener Bearbeitung Ihrer Anfrage gelöscht. Hinweis: Sie können Ihre Einwilligung jederzeit für die Zukunft per E-Mail an datenschutz@bruellmann.de widerrufen. Detaillierte Informationen zum Umgang mit Nutzerdaten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. *
Aktuelles
12.05.2022

Der Abgasskandal hat auch zahlreiche Audi-Modelle mit 3-Liter-Dieselmotor erfasst. Die betroffenen Halter haben gute Aussichten, Schadenersatzansprüche durchzusetzen. Das zeigt auch ein Urteil des OLG Karlsruhe vom 17. Februar 2022 (Az.: 8 U 451/21). Das OLG hat entschieden, dass der Käufer eines Audi A6 Anspruch auf Schadenersatz wegen vorsätzlicher sittenwidriger Täuschung hat.
06.05.2022

Fiat Chrysler Automobiles ist im Wohnmobil Abgasskandal ein weiteres Mal zu Schadenersatz verurteilt worden. Das Landgericht Dessau sprach mit Urteil vom 14. April 2022 dem Käufer eines Wohnmobils des Herstellers Knaus, das auf einem Fiat Ducato aufbaut, Schadenersatz zu (Az. 4 O 315/21).
02.05.2022

Fiat Chrysler ist im Abgasskandal um Wohnmobile auf Basis eines Fiat Ducato erneut zu Schadenersatz verurteilt worden. Das Landgericht Stuttgart kam mit Urteil vom 14. April 2022 zu der Überzeugung, dass Fiat in dem Motor eine unzulässige Abschalteinrichtung verwendet hat und gemäß § 823 BGB zu Schadenersatz verpflichtet ist (Az.: 20 O 147/21).
29.04.2022

Das Landgericht Hamburg hat Mercedes im Abgasskandal mit Urteil vom 19. April 2022 zu Schadenersatz verurteilt (Az.: 317 O 154/20). Das Gericht kam zu der Überzeugung, dass im Mercedes C 220 Diesel des Klägers eine unzulässige Abschalteinrichtung verbaut ist und Mercedes sich schadenersatzpflichtig gemacht hat.
28.04.2022

Suzuki steht unter Verdacht, unzulässige Abschalteinrichtungen bei Dieselfahrzeugen verwendet zu haben. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ließ deshalb am 27. April 2022 Geschäftsräume von Suzuki im südhessischen Bensheim untersuchen.
26.04.2022

Eine Entscheidung des OLG Köln dürfte ein Meilenstein für die Durchsetzung von Schadenersatzansprüchen im Wohnmobil-Abgasskandal sein: Das OLG Köln kündigte mit Beschluss vom 24. Februar 2022 an (Az.: 28 U 55/21), die Berufung von Fiat Chrysler Automobiles (FCA) gegen ein Urteil des Landgerichts Aachen zurückzuweisen.