Rückrufservice

Geerbtes Familienheim - Befreiung von der Erbschaftsteuer

19.01.2022

Wer das Familienheim erbt und es anschließend selbst bewohnt, muss in der Regel keine Erbschaftsteuer zahlen. Für die Steuerbefreiung müssen jedoch einige Voraussetzungen erfüllt sein. So muss der Erblasser die Immobilie selbst bewohnt haben und die Wohnfläche darf nicht größer als 200 Quadratmeter sein.

„Ein weiteres wichtiges Kriterium für die Befreiung von der Erbschaftsteuer ist, dass der Erbe die geerbte Wohnung unverzüglich für eigene Wohnzwecke nutzt. Unverzüglich bedeutet in der Regel innerhalb von sechs Monaten“, erklärt Rechtsanwalt Hansjörg Looser, BRÜLLMANN Rechtsanwälte. Es gibt aber Ausnahmen und es kann auch dann Steuerfreiheit gewährt werden, wenn der Einzug des Erben erst später erfolgt. Das hat der Bundesfinanzhof mit Urteil vom 6. Mai 2021 deutlich gemacht (Az.: II R 46/19).

In dem zu Grunde liegenden Fall hatte der Erbe von seinem Vater eine Doppelhaushälfte geerbt. Da der Sohn die andere Hälfte ohnehin selbst bewohnte, wollte er beide Hälften zusammenlegen und in dem Haus wohnen. Dazu waren aber zunächst umfangreiche Renovierungs- und Sanierungsarbeiten in der geerbten Immobilie notwendig, da ein Wasserschaden beseitigt werden musste. Erst nach knapp drei Jahren konnte der Sohn auch die geerbte Haushälfte zu Wohnzwecken nutzen.

Für das Finanzamt war dies viel zu spät, um noch die Steuerbefreiung zu gewähren. Die Selbstnutzung müsse innerhalb eines Zeitraums von sechs Monaten erfolgen.

Der Bundesfinanzhof sah dies anders. Entscheidend sei, ob sich der Erbe innerhalb der sechsmonatigen Frist zur Selbstnutzung der geerbten Immobilie entschlossen hat und es gute Gründe gab, die den Einzug verzögerten und die der Erbe nicht zu vertreten hat. Habe der Erbe die Aufträge für die Renovierungsarbeiten rechtzeitig innerhalb der Sechsmonatsfrist erteilt, sei eine Steuerbefreiung möglich, auch wenn die Selbstnutzung erst später erfolgt. Dem Erben könne es nicht zur Last gelegt werden, wenn sich die Renovierungsarbeiten in die Länge ziehen, weil es beispielsweise eine hohe Auftragslage gibt oder nach Beginn der Renovierungsarbeiten ein gravierender Mangel entdeckt wird, der vor dem Einzug beseitigt werden muss, führte der BFH aus. Das zuständige Finanzgericht müsse den Fall unter Berücksichtigung dieser Kriterien neu entscheiden.

„Um von der Erbschaftsteuer befreit zu werden, sollten sich Erben rechtzeitig entscheiden, das geerbte Familienheim selbst nutzen zu wollen und dies auch glaubhaft darlegen können. Aufträge für Renovierungsarbeiten und ähnliches sollten daher innerhalb der ersten sechs Monate nach dem Erbfall erfolgen“, so Rechtsanwalt Looser.

BRÜLLMANN Rechtsanwälte bietet Ihnen eine kostenlose Ersteinschätzung Ihrer Möglichkeiten an.

Erbrecht

Hier mehr zu diesem Rechtsgebiet erfahren oder anrufen +49 711 - 520 888 0.
Gerne können Sie uns eine Mail senden an info@bruellmann.de

Mehr Informationen: https://www.bruellmann.de/erbrecht-und-schenkungsrecht

Ansprechpartner

Sekretariat: Frau Damjanovic
Tel:  0711 / 520 888 - 19
Fax: 0711 / 520 888 - 22
E-Mail: h.looser@bruellmann.de

Kontaktieren Sie uns

Ich stimme zu, dass meine Angaben aus dem Kontaktformular zur Beantwortung meiner Anfrage erhoben und verarbeitet werden. Die Daten werden nach abgeschlossener Bearbeitung Ihrer Anfrage gelöscht. Hinweis: Sie können Ihre Einwilligung jederzeit für die Zukunft per E-Mail an datenschutz@bruellmann.de widerrufen. Detaillierte Informationen zum Umgang mit Nutzerdaten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. *
Aktuelles
14.03.2022

Erben können offene Forderungen des Verstorbenen bei den Schuldnern geltend machen. Die Vorlage eines Erbscheins ist dazu nicht zwingend erforderlich. Nach einem Urteil des OLG Düsseldorf vom 22. Oktober 2021 kann auch ein notariell eröffnetes Testament oder ein Erbvertrag ausreichend sein, um den Erbenstatus nachzuweisen (Az.: 7 U 139/21).
17.02.2022

Wurde im Ehevertrag für den Fall der Scheidung die Zahlung einer Abfindung vereinbart, wird dafür keine Schenkungssteuer fällig. Das hat der Bundesfinanzhof mit Urteil vom 1. September 2021 entschieden (Az.: II R 40/19).
11.02.2022

Die Frage der Unternehmensnachfolge steht bei vielen Betrieben weit oben auf der Agenda. Dabei müssen auch steuerliche Konsequenzen beachtet werden.
19.01.2022

Wer das Familienheim erbt und es anschließend selbst bewohnt, muss in der Regel keine Erbschaftsteuer zahlen. Für die Steuerbefreiung müssen jedoch einige Voraussetzungen erfüllt sein. So muss der Erblasser die Immobilie selbst bewohnt haben und die Wohnfläche darf nicht größer als 200 Quadratmeter sein.
13.01.2022

Covid19-Erkrankungen nehmen vielfach und unerwartet einen schweren Verlauf und selbst Intensivmedizin kann nicht jeden Patienten retten. Die Krankheit kann innerhalb von 14 Tagen jemanden aus dem Leben reißen, der sich vorher beim täglichen Joggen wenig Gedanken um Vollmachten, Vorsorge oder gar das eigene Testament machen musste. Viele Menschen werden durch die aktuellen Entwicklungen überrascht. Dabei gibt die Corona-Epidemie ausreichend Anlass zu prüfen, ob ausreichend Vorsorge getroffen ist.
22.12.2021

Der Vermögensübergang auf die nächste Generation sollte vorausschauend geplant werden. Durch Schenkungen zu Lebzeiten unter Ausnutzung der Freibeträge kann die Steuerlast erheblich gemindert werden. „Vorteil der Schenkung gegenüber der Erbschaft ist, dass die Freibeträge nach zehn Jahren erneut genutzt werden können. Dieser Freiraum kann durch rechtzeitige Planung zum steueroptimierten Vermögensübergang genutzt werden“, sagt Rechtsanwalt Hansjörg Looser, BRÜLLMANN Rechtsanwälte.