Rückrufservice

LG Ravensburg: Widerruf der Autofinanzierung ohne Wertersatz

10.09.2018

Ein Urteil des Landgerichts Ravensburg zum Widerruf von Autokrediten könnte eine bahnbrechende Wirkung haben. Das LG Ravensburg entschied am 7. August 2018 nicht nur, dass der Widerruf wirksam erfolgt war, sondern auch, dass der Verbraucher für die Nutzung des Fahrzeugs keinen Wertersatz schuldet.

 

Verschiedene Gerichte haben bereits entschieden, dass der Widerruf der Autofinanzierung möglich ist, wenn die Bank eine fehlerhafte Widerrufsbelehrung verwendet hat. Allerdings haben die Gerichte den Banken bisher immer einen Wertersatz zugesprochen, auch wenn dieser Anspruch rechtlich durchaus umstritten ist. „Das Landgericht Ravensburg geht in seinem Urteil nun einen entscheidenden Schritt weiter. Es entschied, dass die Bank eine fehlerhafte Widerrufsbelehrung verwendet und damit auch den Anspruch auf den Wertersatz für die Nutzung des Fahrzeugs verspielt hat“, erklärt Rechtsanwalt Marcel Seifert, BRÜLLMANN Rechtsanwälte, aus Stuttgart.

 

Konkret ging es vor dem LG Ravensburg um den Widerruf eines Verbrauchers, der 2015 einen Skoda Roomster gekauft und zur Finanzierung einen Darlehensvertrag mit der VW-Bank abgeschlossen hatte. Das Darlehen wurde dabei über das Autohaus vermittelt, es lag ein verbundenes Geschäft vor.  Zwei Jahre später widerrief der Verbraucher den Kreditvertrag und verlangte die Rückzahlung seiner schon geleisteten Raten, inklusive de Anzahlung.

 

Das LG Ravensburg entschied, dass der Widerruf wirksam erfolgt sei. Die Bank habe in den Darlehensbedingungen und Widerrufsinformationen unterschiedliche und widersprüchliche Angaben gemacht. Während in der Widerrufsinformation korrekt darauf hingewiesen wurde, dass der Darlehensnehmer nur dann einen Wertersatz leisten muss, wenn dieser Wertverlust auf einen Umgang mit den Waren zurückzuführen ist, der zur Prüfung der Beschaffenheit, der Eigenschaften und der Funktionsweise der Waren nicht notwendig war. Die Angaben in den Kreditbedingungen standen zu dieser Aussage im Widerspruch und waren auch inhaltlich falsch. Dies führe insgesamt dazu, dass die Widerrufsbelehrung insgesamt nicht ordnungsgemäß ist. Dadurch wurde die Widerrufsfrist nie in Lauf gesetzt und der Widerruf war auch zwei Jahre nach Abschluss des Kreditvertrags noch möglich, so das LG Ravensburg. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Abgas-Skandal

Hier mehr zu diesem Rechtsgebiet erfahren oder anrufen +49 711 - 520 888 0.
Gerne können Sie uns eine Mail senden an info@bruellmann.de

 

„Der Widerruf des Autokredits kann für viele Verbraucher der Ausweg aus der Dieselfalle sein, wie nicht nur das Urteil des LG Ravensburg zeigt“, so Rechtsanwalt Seifert. Dabei ist zu beachten, dass der Widerruf der Autofinanzierung grundsätzlich dann möglich ist, wenn die Bank eine fehlerhafte Widerrufsbelehrung verwendet hat. Ob das Auto vom Abgasskandal betroffen ist, ob es sich um einen Diesel oder Benziner handelt, spielt beim Widerruf keine Rolle.

 

Die Kanzlei BRÜLLMANN bietet Ihnen eine kostenlose Ersteinschätzung Ihrer Möglichkeiten. Sprechen Sie uns an.

Ansprechpartner

Sekretariat: Frau Polski
Tel: 0711 / 520 888 - 28
Fax: 0711 / 520 888 - 23
E-Mail: m.seifert@bruellmann.de

Kontaktieren Sie uns

Ich stimme zu, dass meine Angaben aus dem Kontaktformular zur Beantwortung meiner Anfrage erhoben und verarbeitet werden. Die Daten werden nach abgeschlossener Bearbeitung Ihrer Anfrage gelöscht. Hinweis: Sie können Ihre Einwilligung jederzeit für die Zukunft per E-Mail an datenschutz@bruellmann.de widerrufen. Detaillierte Informationen zum Umgang mit Nutzerdaten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. *
Aktuelles
12.05.2022

Der Abgasskandal hat auch zahlreiche Audi-Modelle mit 3-Liter-Dieselmotor erfasst. Die betroffenen Halter haben gute Aussichten, Schadenersatzansprüche durchzusetzen. Das zeigt auch ein Urteil des OLG Karlsruhe vom 17. Februar 2022 (Az.: 8 U 451/21). Das OLG hat entschieden, dass der Käufer eines Audi A6 Anspruch auf Schadenersatz wegen vorsätzlicher sittenwidriger Täuschung hat.
06.05.2022

Fiat Chrysler Automobiles ist im Wohnmobil Abgasskandal ein weiteres Mal zu Schadenersatz verurteilt worden. Das Landgericht Dessau sprach mit Urteil vom 14. April 2022 dem Käufer eines Wohnmobils des Herstellers Knaus, das auf einem Fiat Ducato aufbaut, Schadenersatz zu (Az. 4 O 315/21).
02.05.2022

Fiat Chrysler ist im Abgasskandal um Wohnmobile auf Basis eines Fiat Ducato erneut zu Schadenersatz verurteilt worden. Das Landgericht Stuttgart kam mit Urteil vom 14. April 2022 zu der Überzeugung, dass Fiat in dem Motor eine unzulässige Abschalteinrichtung verwendet hat und gemäß § 823 BGB zu Schadenersatz verpflichtet ist (Az.: 20 O 147/21).
29.04.2022

Das Landgericht Hamburg hat Mercedes im Abgasskandal mit Urteil vom 19. April 2022 zu Schadenersatz verurteilt (Az.: 317 O 154/20). Das Gericht kam zu der Überzeugung, dass im Mercedes C 220 Diesel des Klägers eine unzulässige Abschalteinrichtung verbaut ist und Mercedes sich schadenersatzpflichtig gemacht hat.
28.04.2022

Suzuki steht unter Verdacht, unzulässige Abschalteinrichtungen bei Dieselfahrzeugen verwendet zu haben. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ließ deshalb am 27. April 2022 Geschäftsräume von Suzuki im südhessischen Bensheim untersuchen.
26.04.2022

Eine Entscheidung des OLG Köln dürfte ein Meilenstein für die Durchsetzung von Schadenersatzansprüchen im Wohnmobil-Abgasskandal sein: Das OLG Köln kündigte mit Beschluss vom 24. Februar 2022 an (Az.: 28 U 55/21), die Berufung von Fiat Chrysler Automobiles (FCA) gegen ein Urteil des Landgerichts Aachen zurückzuweisen.