Mercedes A-, B-, C-, E- und S-Klasse - Rückruf wegen unzulässiger Abschalteinrichtung

24.07.2020

Im Abgasskandal muss Daimler verschiedene Mercedes-Modelle von der A-Klasse bis zur S-Klasse zurückrufen. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat den Rückruf angeordnet, damit bei den Dieselfahrzeugen eine unzulässige Abschalteinrichtung bzw. eine unzulässige Reduzierung des Emissionskontrollsystems entfernt werden kann, wie die Behörde am 16. Juli 2020 veröffentlichte.

Wie das KBA weiter mitteilt, sind von dem Rückruf weltweit etwa 113.000 Fahrzeuge der Baujahre 2008 bis 2011 betroffen. In Deutschland sind es rund 30.000 Fahrzeuge.

Daimler muss Modelle der A-Klasse und B-Klasse mit dem Dieselmotor OM 640 und der Abgasnorm 5 zurückrufen sowie Fahrzeuge der C-, E- und S-Klasse mit dem Dieselmotor OM 651 und der Abgasnorm Euro 5.In der Werkstatt muss die unzulässige Abschalteinrichtung entfernt und ein Software-Update aufgespielt werden. Der Rückruf läuft unter dem Code 5497507.

Daimler musste inzwischen verschiedene Rückrufe für diverse Dieselmodelle auf Anordnung des KBA durchführen, damit eine unzulässige Abschalteinrichtung entfernt werden kann. Daimlers Standpunkt ist bekannt: Der Autobauer hält die beanstandeten Funktionen für zulässig, führt den Rückruf aber durch.

Für die betroffenen Mercedes-Kunden gestaltet sich die Situation schwieriger. Sie werden aufgefordert, ein Software-Update mit ungewissen Folgen für den Motor aufspielen zu lassen. Für sie bietet sich aber auch die Möglichkeit, Schadensersatzansprüche geltend zu machen.

„Die Rechtsprechung hat sich zuletzt sehr verbraucherfreundlich entwickelt. Verschiedene Gerichte haben Daimler bereits wegen der Verwendung einer unzulässigen Abschalteinrichtung zu Schadensersatz verurteilt“, sagt Rechtsanwalt Frederick M. Gisevius.

Zudem dürfte es Daimler nach den Ausführungen der EuGH-Generalanwältin Eleanor Sharpston zunehmend schwerfallen, die Gerichte von der Zulässigkeit der Abschalteinrichtungen zu überzeugen. Die Generalanwältin führte Ende April aus, dass sie Abschalteinrichtungen grundsätzlich für unzulässig hält, wenn sie im Realbetrieb zu einem erhöhten Emissionsausstoß führen. Ausnahmen seien nur in sehr engen Grenzen und nur zum unmittelbaren Schutz des Motors vor Beschädigung zulässig. Funktionen, die den Motor vor langfristen Folgen wie Versottung oder Verschleiß schützen sollen, seien nicht zulässig, stellte sie weiter klar.

„Damit dürfte klar sein, dass Thermofenster oder ähnliche Funktionen bei der Abgasreinigung unzulässig sind und Schadensersatzansprüche geltend gemacht werden können“, so Rechtsanwalt Gisevius.

Die Kanzlei BRÜLLMANN Rechtsanwälte ist Kooperationspartner der IG Dieselskandal und bietet Ihnen eine kostenlose Ersteinschätzung Ihrer Möglichkeiten an. Sprechen Sie uns an.

 

 

 

Ansprechpartner

Sekretariat: Frau Kalaitsidou
Tel:  0711 / 520 888 - 29
Fax: 0711 / 520 888 - 23  
E-Mail: f.gisevius@bruellmann.de

Kontaktieren Sie uns

Ich stimme zu, dass meine Angaben aus dem Kontaktformular zur Beantwortung meiner Anfrage erhoben und verarbeitet werden. Die Daten werden nach abgeschlossener Bearbeitung Ihrer Anfrage gelöscht. Hinweis: Sie können Ihre Einwilligung jederzeit für die Zukunft per E-Mail an datenschutz@bruellmann.de widerrufen. Detaillierte Informationen zum Umgang mit Nutzerdaten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. *
Aktuelles
13.08.2020

Das Landgericht Wuppertal hat Daimler im Abgasskandal mit Urteil vom 29. Januar 2020 zu Schadensersatz verurteilt (Az.: 17 O 49/19). Daimler habe beim Mercedes GLK 220 CDI 4Matic eine unzulässige Abschalteinrichtung verwendet und den Kläger dadurch vorsätzlich sittenwidrig geschädigt.
12.08.2020

Wegen der Verwendung einer unzulässigen Abschalteinrichtung muss Daimler im Abgasskandal nun auch Mercedes-Dieselfahrzeuge der S-Klasse zurückrufen. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat den Rückruf angeordnet und am 11. August 2020 veröffentlicht.
10.08.2020

VW hat im Dieselskandal die Abgaswerte bei Fahrzeugen der Marken VW, Audi, Seat und Skoda mit dem Motor EA 189 manipuliert und ist deshalb zum Schadensersatz verpflichtet. Das hat der BGH mir Urteil vom 25. Mai 2020 entschieden. Der Abgasskandal kann damit aber nicht zu den Akten gelegt werden.
07.08.2020

Der Abgasskandal kann noch lange nicht zu den Akten gelegt werden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt weiter. Nicht nur gegen VW, sondern auch gegen die Konzerntochter Audi. Wie die zuständige Staatsanwaltschaft München II mitteilte, wurde im Zusammenhang mit den Abgasmanipulationen am 5. August 2020 Anklage gegen vier weitere ehemalige Audi-Mitarbeiter erhoben.
06.08.2020

Nach Urteil des EuGH vom 9. Juli 2020 können Schadensersatzklagen gegen Fiat wegen der Verwendung unzulässiger Abschalteinrichtungen in Deutschland geführt werden (Az. C-343/19).
05.08.2020

Ein Leasingnehmer hat erfolgreich den Leasingvertrag mit der Sixt Leasing widerrufen. Das OLG München hat mit Urteil vom 18. Juni 2020 entschieden, dass der Widerruf auch über ein Jahr nach Abschluss des Leasingvertrags wirksam erfolgt ist. Eine Nutzungsentschädigung wird nicht fällig. (Az.: 32 U 7119/19).