Nach AvP-Insolvenz - Aussonderungsrecht der Apotheken

23.09.2020

Die Insolvenz des Rezept-Abrechners AvP reißt bei vielen Apotheken ein tiefes Loch in die Kasse. Bis zu 3.500 Apotheken in Deutschland sollen Kunde bei AVP gewesen sein. Schätzungen zu Folge schuldet AvP ihnen im Schnitt 120.000 Euro, insgesamt also mehr als 400 Millionen Euro. Zudem sind noch weitere medizinische Dienstleister betroffen. „Betroffene Apotheken sollten jetzt dringend prüfen, ob sie Aussonderungsrechte geltend machen können“, sagt Rechtsanwalt Marcel Seifert, BRÜLLMANN Rechtsanwälte.

Das Amtsgericht Düsseldorf hat bekanntlich am 16. September 2020 das vorläufige Insolvenzverfahren über die AvP Deutschland GmbH eröffnet (Az: 502 IN 96/20). Die Insolvenz bringt natürlich auch die Apotheken und anderen Kunden in ernsthafte Schwierigkeiten.

Eine der dringlichsten Fragen ist daher, ob es sich bei den Konten der AvP um klassische Treuhandkonten handelt, die eindeutig den jeweiligen Kunden zugeordnet werden können oder ob die Guthaben auf den Konten in die Insolvenzmasse eingehen. Nach Aussagen des vorläufigen Insolvenzverwalters werde dies noch geprüft. Offensichtlich hat es hier eine Vielzahl unterschiedlicher Vertragsgestaltungen gegeben. „Für die geschädigten Kunden ist es natürlich wichtig, dass sie Aussonderungsrechte geltend machen können und die Guthaben nicht der Insolvenzmasse zufließen“ so Rechtsanwalt Seifert.

Sollten keine Aussonderungsansprüche geltend gemacht werden können, können die Forderungen im Insolvenzverfahren angemeldet werden, sobald dieses eröffnet ist. Hier sei zwar nach ersten Aussagen des vorläufigen Insolvenzverwalters mit einer signifikanten Insolvenzquote zu rechnen, es bleiben aber auch erhebliche Verluste.

Die Insolvenz der AvP beschäftigt inzwischen auch die Staatsanwaltschaft Düsseldorf. Sie ermittelt gegen zwei Beschuldigte wegen Bankrotts, sprich betrügerischer Insolvenz. Es besteht der Verdacht, dass Vermögenswerte noch vor der Insolvenz beiseite geschafft wurden. „Möglich, dass sich hier noch weiterer Ansatzpunkte für Schadensersatzansprüche ergeben können“, so Rechtsanwalt Seifert.

Zunächst müssen aber bestehende Verträge mit der AvP gekündigt, Einzugsermächtigungen widerrufen und vor allem die Geltendmachung von Aussonderungsrechten geprüft werden.

Die Kanzlei BRÜLLMANN bietet Ihnen eine kostenlose Ersteinschätzung Ihrer Möglichkeiten. Sprechen Sie uns an.

 

Ansprechpartner

Sekretariat: Frau Polski
Tel: 0711 / 520 888 - 28
Fax: 0711 / 520 888 - 23
E-Mail: m.seifert@bruellmann.de

Kontaktieren Sie uns

Ich stimme zu, dass meine Angaben aus dem Kontaktformular zur Beantwortung meiner Anfrage erhoben und verarbeitet werden. Die Daten werden nach abgeschlossener Bearbeitung Ihrer Anfrage gelöscht. Hinweis: Sie können Ihre Einwilligung jederzeit für die Zukunft per E-Mail an datenschutz@bruellmann.de widerrufen. Detaillierte Informationen zum Umgang mit Nutzerdaten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. *
Aktuelles
15.10.2020

Die Adcada GmbH ist insolvent. Das Amtsgericht Rostock hat das vorläufige Insolvenzverfahren über die Gesellschaft am 12. Oktober 2020 eröffnet (Az.: 60 IN 352/20). Nicht nur über die Muttergesellschaft wurde das vorläufige Insolvenzverfahren eröffnet, sondern kurz darauf auch über mehrere Tochtergesellschaften.
12.10.2020

Forderungen im Insolvenzverfahren über die Wirecard AG können noch bis zum 26. Oktober 2020 beim Insolvenzverwalter angemeldet werden. Die Anmeldung der Forderungen ist für die Anleger und Aktionäre der Wirecard AG ein erster Schritt, um ihre Verluste zu reduzieren.
23.09.2020

Die Insolvenz des Rezept-Abrechners AvP reißt bei vielen Apotheken ein tiefes Loch in die Kasse. Sie sollten jetzt dringend prüfen, ob sie Aussonderungsrechte geltend machen können
22.09.2020

Wer bei der Bonus.Gold GmbH mit Sitz in Köln anruft, wird derzeit umgehend mit dem Anrufbeantworter verbunden. Auch E-Mails scheinen nur zu versanden. Das Unternehmen ist nicht zu erreichen. Anleger, die ihr Geld bei der Bonus.Gold investiert haben, sind zunehmend beunruhigt und fürchten um ihr Kapital.
20.09.2020

Factoring-Unternehmen wie AVP machen Ansprüche von Apotheken gegenüber den Krankenkassen geltend und sorgen so dafür, dass ihre Kunden immer liquide bleiben und nicht Forderungen hinterherrennen müssen. Rund 3500 Apotheken vertrauten bislang dem Dienstleister AVP - Aber: Das Geld wurde in den letzten Wochen immer schleppender überwiesen. Nun ist das Unternehmen insolvent. Die Bafin  Bafin hat die Kontrolle übernommen.
14.09.2020

Die insolvente Wirecard AG hat einen immensen Schuldenberg angehäuft. Von rund 3 Milliarden Euro ist die Rede. Auch wenn Unternehmenteile verkauft werden, können die Gläubiger im Insolvenzverfahren nicht mit einer allzu hohen Quote rechnen.