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OLG Saarbrücken zu Erbe und Vermächtnis - 5 W 15/22

Im allgemeinen Sprachgebrauch werden Vermächtnis und Erbe oft gleichbedeutend verwendet. Tatsächlich liegt rechtlich zwischen Erbe und Vermächtnis ein großer Unterschied. Unabhängig davon, ob ein Testament vorliegt, wird der oder die Erben zum Rechtsnachfolger des Erblassers. Ein Vermächtnis muss hingegen vom Erblasser ausdrücklich angeordnet werden. Weitere Ansprüche auf den Nachlass hat der Vermächtnisnehmer nicht.

Verzichtet der Erblasser auf ein Testament, fällt den gesetzlichen Erben der Nachlass zu. Möchte der Erblasser die gesetzliche Erbfolge umgehen, kann er unter Beachtung der Pflichtteilsansprüche die Erben im Testament festlegen. Ebenso kann er im Rahmen eines Testaments auch ein Vermächtnis anordnen, er kann festlegen, dass ein bestimmter Gegenstand aus dem Nachlass, z.B. Immobilie, Schmuck, Auto, an eine bestimmte Person gegen soll. Dieser Gegenstand wird der Person vermacht und nicht vererbt. Das bedeutet, dass sich aus dem Vermächtnis keinerlei weitere Rechte und Pflichten für den Vermächtnisnehmer ergeben. Ebenso fällt ihm das Vermächtnis nach dem Tod des Erblassers nicht einfach. Vielmehr muss er seien Anspruch den Erben gegenüber formulieren.

Häufig fehlt es Testament an der gebotenen Klarheit, so dass das Gericht das Testament auslegen muss. Das Oberlandesgericht Saarbrücken stellte mit Urteil vom 30. März 2022 fest, dass Erbe wird, wer den Hauptteil des Vermögens erbt. Alle weiteren bedachten Personen seien Vermächtnisnehmer (Az.: 5 W 15/22).

In dem Fall hatte ein verwitweter und kinderloser Mann testamentarisch festgelegt, dass seine Lebensgefährtin sein Haus und Barvermögen erben solle. Weiter legte er in dem Testament fest, dass er das restliche Vermögen an seine Neffen und Nichten „vererben“ wolle. Trotz dieser Formulierung stellte das OLG Fest, dass die Lebensgefährtin zur Alleinerbin und die Neffen und Nichten nur Vermächtnisnehmer geworden seien. Dies ergeben sich daraus, dass die Lebensgefährtin den wesentlich wertvolleren Teil geerbt haben. Zudem habe der Erblasser ihr auch aufgegeben, seine Nachlassverbindlichkeiten, insbesondere die Beerdigungskosten zu tragen.

„Testierende sollten auf exakte Formulierungen achten, damit die letztwilligen Verfügungen in ihrem Sinne umgesetzt werden können und keine Erbstreitigkeiten entstehen“, sagt Rechtsanwalt Hansjörg Looser, BRÜLLMANN Rechtsanwälte.

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Erbrecht

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Das Berliner Testament ist bei Eheleuten beliebt. Dabei setzen sie sich in der Regel gegenseitig als Alleinerben und die Kinder als Schlusserben ein. Bei den Vorteilen des Berliner Testaments sollte aber auch bedacht werden, dass es eine hohe Bindungswirkung entfaltet und Änderungen nach dem Tod des Ehepartners kaum möglich sind.

Für die Anfechtung der Annahme oder Ausschlagung einer Erbschaft gilt in der Regel eine Frist von sechs Wochen ab Kenntnis des Anfechtungsgrunds. Eine Anfechtung wegen Irrtums kann auch nach Ablauf der Frist möglich sein, wenn sich der Erbe über die Verschuldung des Nachlasses im Irrtum befand.

Mit einem Testament oder Erbvertrag kann ein Erbe unter Umgehung der gesetzlichen Erbfolge eingesetzt werden. Um die letztwillige Verfügung umzusetzen, muss das Testament aber auch auffindbar sein. Ansonsten kann die gesetzliche Erbfolge eintreten, wie ein Fall vor dem OLG Celle zeigt.

Das OLG München bestätigt Recht auf Testierfreiheit und sieht Grenze zur Sittenwidrigkeit nicht überschritten (Az. 33 Wx 325/23)

Ein Testament ist nicht ungültig, weil es nicht auffindbar ist. An die Beweisanforderung bei verlorenen Testamenten sind aber strenge Maßstäbe anzulegen, machte das OLG Brandenburg mit Beschluss vom 3. April 2025 deutlich (Az. 3 W 53/24).

Erben müssen ihren Anspruch auf den Pflichtteil innerhalb von drei Jahren ab Kenntnis des Erbfalls bzw. der Enterbung geltend machen. Auch für uneheliche Kinder, die noch die Vaterschaft des Erblasser feststellen lassen müssen, gibt es nach einem Urteil des BGH vom 12. März 2025 keine Ausnahme von der Frist (Az. IV ZR 88/24).