Porsche Cayenne - Schadenersatz im Abgasskandal

18.02.2021

Die Audi AG hat auch die Dieselmotoren für den Porsche Cayenne oder Porsche Macan hergestellt. Dementsprechend steht sie im Abgasskandal auch bei Porsche-Fahrzeugen mit diesen Motoren in der Haftung. Das hat nun auch das Landgericht Köln mit Urteil vom 19. Januar 2021 bestätigt und die Audi AG bei einem von Abgasmanipulationen betroffenen Porsche Cayenne 4,2 Liter TDI zu Schadenersatz verurteilt (Az.: 5 O 189/20).

Der Kläger hatte den Porsche Cayenne Diesel im November 2013 als Gebrauchtwagen gekauft. Unter der Haube steckt ein 4,2-Liter-Dieselmotor des Typs EA 898 mit der Abgasnorm Euro 5, der von der Konzernschwester Audi entwickelt und hergestellt wurde. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) rief das Modell wegen einer unzulässigen Abschalteinrichtung, die entfernt werden muss, zurück.

Der Kläger machte daher Schadenersatzansprüche geltend. Die Klage hatte Erfolg. Der Kläger habe Anspruch auf Schadenersatz wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung. In dem Motor sei eine unzulässige Abschalteinrichtung verbaut, was schon aus dem Rückruf des KBA hervorginge, führte das LG Köln aus.

Den Vorwurf einer unzulässigen Abschalteinrichtung habe die Audi AG als Herstellerin des Motors nicht widerlegt, so das LG Köln weiter. Der Kläger kann den Porsche Cayenne nun zurückgeben und im Gegenzug die Erstattung des Kaufpreises abzüglich einer Nutzungsentschädigung für die gefahrenen Kilometer verlangen.

„Audi hat die Dieselmotoren mit 3 und mehr Litern Hubraum hergestellt. Die Motoren kommen in einer Reihe von Audi-Modellen, aber auch im VW Touareg und im Porsche Cayenne und Porsche Macan zum Einsatz. Eine Reihe von Gerichten, u.a. die Oberlandesgerichte Naumburg und Koblenz haben inzwischen entschieden, dass auch in diesen Motoren eine unzulässige Abschalteinrichtung verbaut ist und Audi wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung Schadenersatz leisten muss“, erklärt Rechtanwalt Frederick M. Gisevius, BRÜLLMANN Rechtsanwälte.

Rückenwind für Schadenersatzklagen kommt auch vom Europäischen Gerichtshof. Der EuGH hat am 17.12.2020 klargestellt, dass Abschalteinrichtungen grundsätzlich unzulässig sind, wenn sie im realen Straßenverkehr zu einem höheren Emissionsausstoß führen. „Die Chancen auf Schadenersatz im Abgasskandal sind dadurch noch weiter gestiegen“, sagt Rechtsanwalt Gisevius.

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Aktuelles
17.06.2021

Geschädigte Autokäufer können sich im VW-Abgasskandal auch dann Chancen auf Schadenersatz machen, wenn sie das von den Abgasmanipulationen betroffene Fahrzeug bereits weiterverkauft haben. Das wurde in zwei Verfahren am BGH am 15. Juni 2021 deutlich (Az.: VI ZR 575/20 und VI ZR 533/20).
15.06.2021

Nun wird auch für BMW die Luft im Abgasskandal dünner. Mit Urteil vom 28. Mai 2021 hat das OLG Köln entschieden, dass ein Kläger schlüssig und hinreichend substantiiert vorgetragen hat, dass BMW eine unzulässige Abschalteinrichtung verwendet habe. Daher könne ein Anspruch des Klägers auf Schadenersatz bestehen, so das OLG Köln (Az.: 19 U 134/29).
14.06.2021

Im Abgasskandal geraten nun auch die französischen Autobauer Renault und Peugeot unter Druck. Nach Medienberichten hat die französische Justiz Ermittlungsverfahren wegen Betrugs gegen die Autohersteller eröffnet.
10.06.2021

Fiat Chrysler Automobiles, inzwischen Stellantis, ist im Abgasskandal von einem weiteren Gericht zu Schadenersatz verurteilt worden. Das Landgericht Gera entschied mit Versäumnisurteil vom 31. Mai 2021, dass Fiat Schadenersatz bei einem Wohnmobil leisten muss (Az.: 7 O 103/21).
09.06.2021

Die Audi AG muss im Abgasskandal einen Audi Q7 3.0 Liter TDI zurücknehmen und den Kaufpreis abzüglich einer Nutzungsentschädigung erstatten. Das hat das Landgericht Berlin mit Urteil vom 23. April 2021 entschieden (Az.: 3 O 550/20). Der Kläger hatte den Audi Q7 im Mai 2017 als Gebrauchtwagen gekauft. In dem Fahrzeug kommt ein Drei-Liter-Dieselmotor mit der Abgasnorm Euro 6 zum Einsatz. Das Modell wurde vom Kraftfahrt-Bundesamt zurückgerufen. 
08.06.2021

Schadenersatzansprüche können im VW-Abgasskandal nach wie vor geltend gemacht werden. Geschädigte Autokäufer haben immer noch Anspruch auf den sog. Restschadenersatz. Diesen Anspruch hat nun auch das Landgericht Rottweil mit Urteil vom 10. Mai 2021 bestätigt (Az.: 2 O 525/20).