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Schadenersatzansprüche im Abgasskandal noch nicht verjährt

Schadenersatzansprüche im VW-Abgasskandal sind noch nicht verjährt und können in vielen Fällen immer noch geltend gemacht werden. Diese Rechtsauffassung setzt sich aktuell immer mehr durch. Selbst VW verzichtet teilweise auf die Einrede der Verjährung.

Der BGH hat am 25. Mai 2020 entschieden, dass VW sich im Abgasskandal um Fahrzeuge mit dem Dieselmotor EA 189 grundsätzlich schadenersatzpflichtig gemacht hat (Az.: VI ZR 252/19). „Von diesem Urteil können auch vom Abgasskandal geschädigte Verbraucher profitieren, die bislang noch keine rechtlichen Schritte unternommen haben“, sagt Rechtsanwalt Frederick M. Gisevius, BRÜLLMANN Rechtsanwälte.

Dabei rückt die Frage der Verjährung der Schadensersatzansprüche, zu der der BGH nicht entschieden hat, zunehmend in den Mittelpunkt. Vielfach wird davon ausgegangen, dass die dreijährige kenntnisabhängige Verjährungsfrist mit Erhalt des Rückrufschreibens eingesetzt hat. Heißt: Hat jemand im Jahr 2016 den Rückruf erhalten, wären seine Ansprüche Ende 2019 verjährt. Heißt aber auch: Landete der Rückruf erst 2017 beim Fahrzeughalter, kann er noch bis Ende 2020 Schadensersatzansprüche geltend machen. Zudem kann eine uneindeutige Rechtslage - wie sie im Abgasskandal lange gegeben war - den Beginn der Verjährungsfrist hinauszögern.

„Selbst, wenn die Gerichte die Schadensersatzansprüche als verjährt einstufen, bleibt noch der § 852 BGB, um seine Rechte doch noch durchzusetzen. Dieser sogenannte Restschadenersatzanspruch verjährt erst nach zehn Jahren“, erklärt Rechtsanwalt Gisevius.

Aktuelle Entwicklungen zeigen, dass die Gerichte Schadenersatzansprüche nicht als verjährt ansehen oder sogar VW die Einrede der Verjährung fallen lässt. So entschied das Landgericht Ellwangen, dass die Verjährungsfrist nicht vor Ende 2017 begonnen hat (Az.: 2 O 177/20) und verurteilte VW bei einem Polo zu Schadensersatz. Die Klage war erst 2020 eingereicht worden. In einem ähnlichen Fall entschied auch das LG Oldenburg, dass die Verjährungsfrist frühestens Ende 2017 in Lauf gesetzt worden sei und Ansprüche daher 2020 noch nicht verjährt seien (Az.: 4 O 1676/20).

In einem Verfahren vor dem Landgericht Kiel ließ VW nun die Einrede der Verjährung fallen (Az.: 17 O 124/209. Auch hier war die Klage erst 2020 eingereicht worden. Das LG Kiel hatte in der mündlichen Verhandlung deutlich darauf hingewiesen, dass dem Kläger wohl ein Anspruch auf Restschadensersatz nach § 852 BGB zusteht, selbst wenn die deliktischen Ansprüche verjährt sind. VW hat darauf hin die Einrede der Verjährung fallengelassen. Auch in einem Verfahren vor dem LG Hannover hat VW den Einwand der Verjährung zurückgenommen (Az.: 12 O 238/19). Hier war die Klage allerdings noch Ende 2019 eingereicht worden.

„Die Urteile zeigen: Schadenersatzansprüche im Abgasskandal können immer noch durchgesetzt werden“, so Rechtsanwalt Gisevius.

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Aktuelles

Der Käufer eines Audi Q5 hat im Dieselskandal Anspruch auf Schadenersatz. Das hat das Landgericht Arnsberg mit Urteil vom 22. Juli 2025 entschieden (Az.: I-1 O 234/23). Das Gericht kam zu der Überzeugung, dass in dem Fahrzeug eine unzulässige Abschalteinrichtung verbaut und der Käufer zumindest fahrlässig geschädigt wurde. Er habe daher Anspruch auf Schadenersatz in Höhe von 5 Prozent des Kaufpreises.

Im Abgasskandal hat das Landgericht Karlsruhe einem Käufer eines VW T5 Schadenersatz zugesprochen (Az. 24 O 17/24). Das Gericht kam zu der Überzeugung, dass in dem VW T5 eine unzulässige Abschalteinrichtung in Form eines Thermofensters bei der Abgasrückführung zum Einsatz kommt. „Unser Mandant hat nun Anspruch auf Schadenersatz in Höhe von 10 Prozent des Kaufpreises – 5.600 Euro“, sagt Rechtsanwalt Frederick M. Gisevius, der das Urteil erstritten hat.

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Das OLG Frankfurt hat mit Urteil vom 10. November 2025 dem Käufer eines VW Golf 1.6 TDI Schadenersatz im Abgasskandal zugesprochen. Das Gericht stellte fest, dass in dem Fahrzeug eine unzulässige Abschalteinrichtung in Form eines Thermofensters bei der Abgasrückführung zum Einsatz kommt.Der Kläger hatte den VW Golf 1.6 TDI mit dem Dieselmotor des Typs EA 288 im November 2015 als Neuwagen gekauft. Der Motor EA 288 ist das Nachfolgemodell des durch den Abgasskandal bekannt gewordenen Dieselmotors des Typs EA 189.

BMW muss im Abgasskandal einem Käufer eines BMW 420d Schadenersatz leisten. Das hat das Landgericht Oldenburg mit Urteil vom 15. Dezember 2025 entschieden (Az. 18 S 86/25). Das Gericht kam zu der Überzeugung, dass BMW eine unzulässige Abschalteinrichtung in Form eines Thermofensters bei der Abgasrückführung (AGR) eingesetzt hat. Der Kläger habe daher Anspruch auf Schadenersatz in Höhe von 10 Prozent des Kaufpreises.

Der Käufer eines Seat Ateca erhält im Abgasskandal Schadenersatz. Das hat das Landgericht Ravensburg mit Urteil vom 23. Juli 2025 entschieden (Az. 2 O 38/24). Das Gericht kam zu der Überzeugung, dass in dem Fahrzeug eine unzulässige Abschalteinrichtung verwendet wird und sprach dem Kläger Schadenersatz in Höhe von 10 Prozent des Kaufpreises zu – knapp 4.000 Euro.