Schadenersatzansprüchen gegen Audi und Porsche droht Ende 2021 die Verjährung

02.09.2021

Der VW-Abgasskandal flog im September 2015 auf. Später wurde klar, dass auch Fahrzeuge mit den größeren Dieselmotoren mit 3 Litern Hubraum und mehr vom Abgasskandal betroffen sind. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) ordnete unter dem Code 23X6 einen verpflichtenden Rückruf für zahlreiche Audi-Modelle an, damit eine unzulässige Abschalteinrichtung entfernt wird. Auch die Konzernschwester Porsche musste Modelle des Cayenne und des Macan deshalb zurückrufen. Gleiches gilt für den VW Touareg.

„Auch bei diesen Fahrzeugen bestehen gute Chancen, Schadenersatzansprüche durchzusetzen. Allerdings sollten Betroffene handeln, da ggf. Ende 2021 Verjährung eintreten könnte“, sagt Rechtsanwalt Frederick M. Gisevius, BRÜLLMANN Rechtsanwälte.

Die großvolumigeren Dieselmotoren mit drei Litern Hubraum und mehr werden von der Konzerntochter Audi entwickelt und hergestellt. Die Motoren des Typs EA 896 oder EA 897 kommen nicht nur in zahlreichen Audi-Modellen zum Einsatz, sondern wurden auch in den Porsche SUVs Macan und Cayenne verwendet oder im VW Touareg.

Das KBA entdeckte auch bei Fahrzeugen mit diesen Motoren Abgasmanipulationen und ordnete wegen der Verwendung einer unzulässigen Abschalteinrichtung bzw. unzulässigen Reduzierung der Wirksamkeit des Emissionskontrollsystems einen Rückruf an. Das Rückruf-Schreiben mit der Aufforderung ihr Fahrzeug in die Werkstatt zu bringen, erhielten zahlreiche betroffene Audi-Kunden oder Porsche-Halter im Jahr 2018. Da es sich dabei um einen verpflichtenden Rückruf des KBA handelt, müssen die Fahrzeughalter dem nachkommen, da ohne entsprechendes Software-Update der Verlust der Zulassung droht.

„Mit dem Erhalt des Rückrufs gehen Gerichte vielfach davon aus, dass der Halter Kenntnis von der Betroffenheit seines Fahrzeugs erlangt hat. Das bedeutet auch, dass damit die dreijährige kenntnisabhängige Verjährungsfrist zu laufen begann. Bei Erhalt des Rückrufs im Jahr 2018 droht daher die Verjährung der Schadenersatzansprüche zum 31.12.2021“, so Rechtsanwalt Gisevius.

Noch ist aber genügend Zeit, Schadenersatzansprüche geltend zu machen. Die Erfolgsaussichten sind gut. Ähnlich wie beim kleineren Dieselmotor EA 189 haben zahlreiche Gerichte auch bei Fahrzeugen mit dem größeren Motor festgestellt, dass die Käufer vorsätzlich sittenwidrig geschädigt wurden und Anspruch auf Schadenersatz haben. Neben zahlreichen Landgerichten haben auch die Oberlandesgerichte Koblenz, Frankfurt, Hamm und Naumburg Schadenersatz zugesprochen.

Die Kanzlei BRÜLLMANN Rechtsanwälte ist Kooperationspartner der IG Dieselskandal und bietet Ihnen eine kostenlose Ersteinschätzung Ihrer Möglichkeiten an. Sprechen Sie uns an.

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Aktuelles
17.09.2021

Im September 2015 ist der VW-Dieselskandal aufgeflogen. Sechs Jahre später hat nun vor dem Landgericht Braunschweig der Strafprozess gegen ehemalige Führungskräfte des VW-Konzerns begonnen. Das Verfahren gegen den ehemaligen VW-Chef Winterkorn wurde aus gesundheitlichen Gründen abgetrennt und wird erst später beginnen.
17.09.2021

Mit dem OLG Karlsruhe hat ein weiteres Oberlandesgericht bestätigt, dass im Abgasskandal auch Schadenersatzansprüche nach § 852 BGB bestehen (Urteil vom 9. Juli 2021 - Az.: 13 U 168/21). Besonders erfreulich für die geschädigten Autokäufer: Der Anspruch auf den sog. Restschadenersatz verjährt nicht schon nach drei Jahren, sondern erst zehn Jahre nach Kauf des Fahrzeugs.
16.09.2021

Das Landgericht Stuttgart hat die Daimler AG im Abgasskandal mit Urteil vom 26. August 2021 ein weiteres Mal zu Schadenersatz verurteilt (Az.: 20 O 440/20). In dem Verfahren ging es um einen Mercedes GLK 220 CDI 4Matic. Das Gericht kam zu der Überzeugung, dass in dem Fahrzeug eine unzulässige Abschalteinrichtung verwendet wird und Daimler Schadenersatz leisten muss.
15.09.2021

Das Landgericht Hamburg hat mit Urteil vom 13. August 2021 entschieden, dass VW im Abgasskandal Schadenersatz bei einem VW Golf VII GTD mit dem Dieselmotor des Typs EA 288 leisten muss (Az.: 305 O 268/20). Beim EA 288 handelt es sich um den Nachfolgemotor des durch den Dieselskandal bekannt gewordenen Motors EA 189.
14.09.2021

Das Landgericht Offenburg hat im Abgasskandal Schadenersatz bei einem Porsche Cayenne S 4.2 Liter TDI zugesprochen. Mit Urteil vom 12. August 2021 entschied es, dass die Konzernschwester Audi als Herstellerin des in dem Porsche verwendeten Dieselmotors für die Verwendung einer unzulässigen Abschalteinrichtung in der Haftung steht und Schadenersatz leisten muss (Az.: 2 O 112/21).
13.09.2021

Das Landgericht Stuttgart ist zu der Überzeugung gekommen, dass in einem Mercedes C 250 D 4Matic eine unzulässige Abschalteinrichtung zum Einsatz kommt. Daher hat das Gericht Daimler mit Urteil vom 27. Juli 2021 wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung zu Schadenersatz verurteilt (Az.: 19 O 166/20).