Die Urlaubszeit steht vor der Tür und ausgerechnet jetzt könnte Besitzern des Campers VW Grand California die Reiselust vergehen. Grund sind hohe Schadstoffbelastungen mit gesundheitsschädlichen Stoffen im Grand California. Das hat das ZDF-Magazin frontal aufgedeckt und den Bericht am 1. Juli 2025 ausgestrahlt.
Dem Bericht zufolge herrscht im Innenraum des VW Grand California der Baujahre 2019 bis 2022 eine Schadstoffbelastung durch gesundheitsschädliche Stoffe wie Formaldehyd, Styrol oder das krebserregende Benzol. Ursache für die Emissionen ist das Hochdach aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK).
Frontal verweist auf interne Prüfungsberichte, wonach VW bekannt war, dass die Richtwerte zum Teil deutlich überschritten wurden. Trotz dieser Kenntnisse wurde der Grand California 2019 in den Verkehr gebracht. Fahrer des Campers berichten gegenüber dem ZDF von auftretenden gesundheitlichen Problemen wie Übelkeit, Kopfschmerzen oder brennenden Augen.
VW reagiert erst 2022 und brachte eine zusätzliche Beschichtung für das Dach an, um die Ausdünstungen einzudämmen. Für bereits ausgelieferte Fahrzeuge gibt es allerdings keinen Rückruf, sondern nur einen Nutzungshinweis an die Käufer. Darin weist VW darauf hin, dass die Ausdünstungen zu vorübergehenden Unwohlsein führen können. In solchen Fällen rät VW schlicht, das Fahrzeug abzustellen, zu lüften und an die frische Luft zu gehen.
„Frontal“ berichtet weiter, dass interne Untersuchungen bei VW ergeben hätten, dass die Richtwerte des Umweltbundesamts für Benzol, Styrol und Formaldehyd deutlich überschritten wurden. VW widerspricht dieser Darstellung und verweist darauf, dass es sich um flüchtige organische Verbindungen handele, die mit der Zeit und durch regelmäßiges Lüften verschwinden. Es bestehe keine Gesundheitsgefahr, daher sei auch kein Rückruf notwendig gewesen.
Zudem verweist VW darauf, dass es für den Innenraum von Fahrzeugen keine gesetzlichen Grenzwerte gebe. Das ist zwar richtig. Es gibt aber Gefahrenwerte, die rechtlich ähnlich wie Grenzwerte behandelt werden, erklärt Norbert Weis vom Bremer Umweltinstitut gegenüber dem ZDF. Diese Gefahrenwerte seien laut den VW-Dokumenten bei Benzol und Styrol deutlich überschritten worden.
Die Kunden hätten über die hohen Gefahrenwerte von VW aufgeklärt werden müssen. Insbesondere hätte es einen Rückruf für die betroffenen Fahrzeuge geben müssen, so Prof. Martin Führ von der Hochschule Darmstadt im ZDF.
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Derartige Ausdünstungen sind bei Bauteilen aus GFK wie dem Hochdach kein Einzelfall und können auch bei anderen Wohnmobilen auftreten. „Entscheidend ist, die Emissionen einzudämmen und den Kunden transparent zu informieren“, sagt Rechtsanwalt Frederik M. Gisevius. Doch von Transparenz ist bei VW zehn Jahre nach Bekanntwerden des Abgasskandals nichts zu spüren. „Stattdessen hält man offenbar einen Hinweis auf Lüften und frische Luft schnappen für ausreichend. Das kann es nicht sein“, so Rechtsanwalt Gisevius.
Den betroffenen Käufern eines VW Grand California können auch Schadenersatzansprüche entstanden sein. „Die gesundheitsschädlichen Emissionen dürften einen Sachmangel darstellen, so dass Ansprüche aus Gewährleistung von Nachbesserung bis zum Rücktritt vom Kaufvertrag bestehen können“, so Rechtsanwalt Gisevius. Zudem kommen auch Ansprüche wegen sittenwidriger, vorsätzlicher Schädigung oder Verstoß gegen das Produkthaftungsgesetz in Betracht.
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