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VW Abgasskandal EA 288 - Vorsicht vor verstecktem Update in der Werkstatt

17.03.2021

Bei einem sogenannten Werkstattupdate sollten VW-Besitzer – auch Skoda, Seat und Audi – in diesen Tagen sehr aufmerksam sein. Es steht zu befürchten, dass Werkstattaufenthalte genutzt werden, um bei Modellen mit EA288-Dieselmotoren neben der Service-Maßnahme ein weiteres Update  ohne Wissen des Kunden aufzuspielen – dabei geht es dann um Fehler im SCR-system bei der Abgasreinigung. Dazu hat VW die Werkstattaktion 23CY gestartet. Dabei werden die Kunden von ihrem Händler aufgefordert, ihr Fahrzeug in die Werkstatt zu bringen.

Grundsätzlich ist der Austausch der Software kein Problem – allerdings wird „hintenrum“ doch wieder ein Schuh daraus. Rechtsanwalt Gisevius: „Uns liegen mehrere bestätigte Hinweise vor, nach denen in Werkstätten der Volkswagen AG das Update aufgespielt wird, ohne dass die Eigentümer der Autos darüber informiert werden!“ 

Nach den Updates halten die Autos offensichtlich die Emissionswerte ein, weil die Software den NOX-Ausstoß verringern dürfte. Die Umwelt freut sich! Alles gut also?

„Leider nicht,“ warnt Rechtsanwalt Gisevius, der schon EA288-Verfahren vor den Landgerichten München und Heilbronn gewinnen konnte. „Wir wissen nicht, was die Updates anrichten, zumindest ist zu befürchten, dass PKW mit neuer Software nicht mehr zu verpflichtenden Rückrufaktionen des Kraftfahrtbundesamtes vorgeladen werden. Damit geben potenzielle Kläger ein wichtiges Klageargument aus der Hand!“ Das OLG Köln hat VW am 19.02.2021 wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung zu Schadenersatz verurteilt.

Der Stuttgarter Rechtsanwalt empfiehlt bei anstehenden Werkstattaufenthalten schriftlich zu vereinbaren, dass keine Updates am Emissionssystemen des Fahrzeugs vorgenommen werden dürfen. „Da es sich nicht um einen durch das Kraftfahrt-Bundesamt angeordneten Rückruf handelt, besteht keine Verpflichtung ihm nachzukommen“, so Rechtsanwalt Gisevius.

Die juristische Relevanz der Updates ist indes nicht wirklich entscheidend. Gisevius. „Es gibt zahlreiche Urteile die feststellen, dass Updates den Schaden nicht beseitigen. Trotzdem sollten EA288-Besitzer das Argument des Rückrufes nicht freiwillig aus der Hand geben, denn für viele Richter ist ein verpflichtender Rückruf immer noch ein entscheidendes Indiz für eine unzulässige Abschalteinrichtung und einen Schadenersatzanspruch nach § 826 BGB.

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Aktuelles
12.05.2022

Der Abgasskandal hat auch zahlreiche Audi-Modelle mit 3-Liter-Dieselmotor erfasst. Die betroffenen Halter haben gute Aussichten, Schadenersatzansprüche durchzusetzen. Das zeigt auch ein Urteil des OLG Karlsruhe vom 17. Februar 2022 (Az.: 8 U 451/21). Das OLG hat entschieden, dass der Käufer eines Audi A6 Anspruch auf Schadenersatz wegen vorsätzlicher sittenwidriger Täuschung hat.
06.05.2022

Fiat Chrysler Automobiles ist im Wohnmobil Abgasskandal ein weiteres Mal zu Schadenersatz verurteilt worden. Das Landgericht Dessau sprach mit Urteil vom 14. April 2022 dem Käufer eines Wohnmobils des Herstellers Knaus, das auf einem Fiat Ducato aufbaut, Schadenersatz zu (Az. 4 O 315/21).
02.05.2022

Fiat Chrysler ist im Abgasskandal um Wohnmobile auf Basis eines Fiat Ducato erneut zu Schadenersatz verurteilt worden. Das Landgericht Stuttgart kam mit Urteil vom 14. April 2022 zu der Überzeugung, dass Fiat in dem Motor eine unzulässige Abschalteinrichtung verwendet hat und gemäß § 823 BGB zu Schadenersatz verpflichtet ist (Az.: 20 O 147/21).
29.04.2022

Das Landgericht Hamburg hat Mercedes im Abgasskandal mit Urteil vom 19. April 2022 zu Schadenersatz verurteilt (Az.: 317 O 154/20). Das Gericht kam zu der Überzeugung, dass im Mercedes C 220 Diesel des Klägers eine unzulässige Abschalteinrichtung verbaut ist und Mercedes sich schadenersatzpflichtig gemacht hat.
28.04.2022

Suzuki steht unter Verdacht, unzulässige Abschalteinrichtungen bei Dieselfahrzeugen verwendet zu haben. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ließ deshalb am 27. April 2022 Geschäftsräume von Suzuki im südhessischen Bensheim untersuchen.
26.04.2022

Eine Entscheidung des OLG Köln dürfte ein Meilenstein für die Durchsetzung von Schadenersatzansprüchen im Wohnmobil-Abgasskandal sein: Das OLG Köln kündigte mit Beschluss vom 24. Februar 2022 an (Az.: 28 U 55/21), die Berufung von Fiat Chrysler Automobiles (FCA) gegen ein Urteil des Landgerichts Aachen zurückzuweisen.