VW Abgasskandal - Razzia wegen Motor EA 288

05.12.2019

VW hat Vorwürfe, dass bei Fahrzeugen mit dem Dieselmotor EA 288 und der Abgasnorm Euro 6 eine unzulässige Abschalteinrichtung zum Einsatz kommt, stets zurückgewiesen. Dennoch hatte sie jetzt im Zusammenhang mit dem Dieselskandal und dem Motor EA 288 unangemeldeten Besuch erhalten. Die Ermittler der Staatsanwaltschaft Braunschweig standen am 3. September in Wolfsburg vor der Tür und durchsuchten die Geschäftsräume.

Wie u.a. der „Spiegel“ berichtet, beziehen sich die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft auf Dieselfahrzeuge mit dem Motor EA 288. Dieser Motor ist das Nachfolgemodell des Dieselmotors EA 189, bei dem bekanntlich im großen Stil Abgaswerte bei Millionen von Fahrzeugen manipuliert worden waren.

Nun steht ausgerechnet der Nachfolgemotor im Fokus der Ermittlungen und VW droht eine Neuauflage des Abgasskandals, wenn sich herausstellen sollte, dass auch beim Motor EA 288 Abgaswerte manipuliert wurden. Auch dieser Motor wird bei zahlreichen Modellen von VW und den Konzerntöchtern Audi, Seat und Skoda verwendet.

VW weist Vorwürfe einer unzulässigen Abschalteinrichtung natürlich zurück und verweist auch auf Messungen des Kraftfahrt-Bundesamts aus dem Jahr 2016, bei denen keine Hinweise auf unzulässige Abschalteinrichtungen gefunden wurden.

Verdachtsmomente, dass es VW mit den Abgaswerten auch beim EA 288 nicht so genau genommen hat, gab es dennoch immer wieder. Zuletzt berichtete der SWR, dass in dem Motor wohl eine Software verwendet wird, die erkennt, wenn sich das Fahrzeug im Prüfmodus befindet. Dann werde ausreichend AdBlue für die Abgasreinigung eingespritzt, im realen Straßenbetrieb werde die Zufuhr aber wieder gedrosselt, berichtete der SWR und berief sich auf interne VW-Dokumente, die dem Sender vorlägen.

„Die Durchsuchungen der Staatsanwaltschaft sind sicher nicht geeignet, den Verdacht einer unzulässigen Abschalteinrichtung zu entkräften. Führen die Ermittlungen zu dem Ergebnis, dass Abgaswerte manipuliert wurden, erfährt der Dieselskandal ein ganz neues Ausmaß“, sagt Rechtsanwalt Frederick M. Gisevius, BRÜLLMANN Rechtsanwälte, aus Stuttgart.

Auch die Gerichte beschäftigen sich bereits mit dem EA 288. Das Landgericht Wuppertal wird z.B. ein Sachverständigengutachten einholen, um festzustellen, ob bei diesem Motor eine unzulässige Abschalteinrichtung im Einsatz ist.

Die Kanzlei BRÜLLMANN Rechtsanwälte ist Kooperationspartner der IG Dieselskandal und bietet Ihnen eine kostenlose Ersteinschätzung Ihrer Möglichkeiten an. Sprechen Sie uns an.

 

 

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Aktuelles
25.05.2020

In seinem ersten Urteil zum Abgasskandal stellte der BGH am 25. Mai 2020 klar, dass VW zu Schadensersatz verpflichtet ist (Az.: VI ZR 252/19). Mit diesem Urteil hat der BGH die Rechtsprechung zahlreicher Landgerichte und Oberlandesgerichte bestätigt, die VW im Dieselskandal bereits zu Schadensersatz verurteilt haben. Durch das Urteil ist nun auch für tausende Verfahren, die noch anhängig sind, Rechtssicherheit eingetreten.
27.04.2020

Das Landgericht Regensburg hat VW im Abgasskandal wegen der Verwendung einer unzulässigen Abschalteinrichtung mit Urteil vom 19. März 2020 zu Schadensersatz verurteilt (Az.: 73 O 1181/19). Das wäre an sich nichts Besonderes, da Gerichte quer durch die Republik den geschädigten Käufern Schadensersatz zusprechen. „Das Urteil ist dennoch sehr bemerkenswert.
20.04.2020

Der Begriff Thermofenster taucht im Abgasskandal immer wieder auf. Autohersteller benutzen sie bei der Abgasreinigung und halten sie aus Motorschutzgründen für notwendig und zulässig. Verschiedene Gerichte sehen das anders. Sie halten Thermofenster für eine unzulässige Abschalteinrichtung und verurteilen die Hersteller zum Schadensersatz. Nun wurde auch erstmals BMW im Dieselskandal verurteilt. Das Landgericht Düsseldorf hat BMW mit Urteil vom 31. März 2020 wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung zu Schadensersatz verurteilt (Az.: 7 O 67/19).
07.04.2020

Das muss wehtun: Volkswagen hat am Landgericht München ein extrem verbraucherfreundliches Urteil kassiert – wohl auch das erste Urteil zu einem T6. Ein Volkswagen-Bulli T6 muss zurückgenommen werden. Der Mandant der Stuttgarter Kanzlei Brüllmann Rechtsanwälte erhält alle getätigten Raten- und Zinszahlungen zurück und natürlich auch die geleistete Anzahlung. Von der Gesamtsumme wird lediglich für die mit dem Bulli gefahrenen Kilometer ein Abschlag vorgenommen – allerdings auf die angenommene Kilometerleistung von 300.000 Kilometern.
17.03.2020

Ab dem 19. März 2020 wird Volkswagen Briefe mit Vergleichsangeboten an die Teilnehmer der Musterfeststellungsklage schicken, ab dem 20. März soll dann mit den ebenfalls übermittelten Zugangsdaten ein Onlineportal bedient werden können. Hier können Anspruchsberechtige dann online mitteilen, ob sie das Angebot annehmen möchten oder nicht.
02.03.2020

Im Musterfeststellungsverfahren gegen Volkswagen haben sich VW und der Bundesverband der Verbraucherzentrale (vzbv) nun doch auf einen Vergleich geeinigt. Insgesamt will VW 830 Millionen Euro an die Teilnehmer der Musterklage zahlen. Je nach Modell und Alter sollen Verbraucher zwischen 1.350 und 6.257 Euro erhalten. Ihren alten Diesel sind sie damit allerdings nicht los und haben sie den Vergleich erstmal angenommen, können sie keine weiteren Schadensersatzansprüche mehr im Abgasskandal stellen.