Wohnmobile Abgasskandal



Mit einer Razzia bei Fiat und Iveco kam im Juli 2020 ein mächtiger Stein ins Rollen: Der Wohnmobil-Abgasskandal. Ein großer Teil der in Europa produzierten Wohnmobile wird von Motoren von Fiat-Chrysler und IVECO angetrieben. Bei rund 200.000 Motoren besteht der Verdacht auf Manipulationen am Abgassystem - ähnlich den Manipulationen, die man deutschen Motorenherstellern nachweisen kann. Die Motoren wurden vielfach in Wohnmobilen aller Klassen verbaut und zwar in Form des für diese Nutzung prädestinierten Ducato-Motors von Fiat. Bislang hatten sich nur Eigentümer von Volkswagen-Wohnmobilen oder Mercedes-Reisemobilen Gedanken zum Thema Abgasskandal machen müssen. Jetzt trifft es eine weitaus größere Zahl von Fahrzeugen.

Es bahnt sich ein neuer Dieselskandal an, denn mit Fiat ist nicht nur ein ausländischer Hersteller massiv ins Visier der Ermittler geraten, sondern auch ein Motorenlieferant für die Freizeitindustrie: Fiat und Iveco rüsten seit Jahrzehnten die Wohnmobile namhafter Hersteller aller Preisklassen mit kompletten Autos, Chassis und vor allem Motoren aus. Die Branche kommt ohne denn "Ducato" nicht aus.

Nun sieht es so aus, als stünden 200.000 Fahrzeuge im Verdacht, mit unzulässigen Abschaltvorrichtungen zu arbeiten. Neben PKW wie dem Fiat 500 oder dem Jeep der Konzern-Schwester Chrysler geht es vornehmlich um Wohnmobile.

1. März 2021 - Das erste Urteil:
Ein erster Klageerfolg: Fiat Chrysler Automobiles (heute Stellantis) ist zu Schadenersatz verurteilt worden. Das Landgericht Koblenz entschied entsprechend am 1. März 2021. Schadenersatzanspruch ist vorsätzliche und sittenwidrigee Schädigung nach §826 BGB  (Az. 12 O 316/20). Fiat Chrysler muss nach Abzug der Nutzungsentschädigung  52.484,12 Euro bezahlen. Das Landgericht musste ein Versäumnisurteil fällen, da sich die Beklagte nicht zum Vorwurf geäußert hatte.

Wohnmobil mit Ducato-Motor

Ist Ihr Wohnmobil betroffen?

Wir sagen es Ihnen! grundsätzlich ja, denn ein Anfangsverdacht reicht bei aktueller Rechtslage, um erfolgreich Klage einreichen zu können. Sicherlich wird es einfacher - auch im Umgang mit der rechtsschutzversicherung - wenn eine mögliche Betroffenheit dokumentiert werden kann.

Der Motor „Family B“ wird als

 

  • 1,3l Liter Multijet
  • 1,3 Liter, 16 V Multijet
  • 1,6 Liter

in PKW der Schadstoffklassen Euro 5 und Euro 6 verbaut, Dabei geht es um Fiat und Alfa Romeo - im Jeep sind hubraumstärkere Motoren verbaut.


Fiat-Motoren für Wohnmobile


Der  Motorentyp  „Light Duty / Heavy Duty“  (Fiat und Iveco) kommt mit der Bezeichnung

  • 110 Multijet (Motorkennung F1AE3481G)
  • 115 Multijet (Motorkennung 250A1000)
  • 150 Multijet (Motorkennung F1AE3481D)
  • 180 Multijet (Motorkennung F1CE3481E)

in Kastenwagen, sowie teil- und vollintegrierten Wohnmobilen zum Einsatz. Hierbei handelt es sich um Motoren mit 2, 2,3 und 3 Litern Hubraum. Betroffen sind Fahrzeuge mit Sonderaufbauten, unter Umständen neben Wohnmobilen auch gewwerblich genutzte Fahrzeuge wie z.B. Kühlfahrzeuge .

Womo Wueste

IVECO.Motoren für Morelo und Co.

Iveco liefert für den europäischen markt die Produktlinien

  • Daily Hi-Matic
  • Daily 4x4
  • Eurocargo

die sich je nach Standard/Niveau bestens eignen, um hochwertige Wohnmobilie darauf aufzubauen. Hier trifft es die Nobel-Marken

  • Carthago
  • Concorde
  • Dethleffs
  • Form IT
  • Laika
  • Morelo
  • Niesmann Bischoff
  • Notin
  • Pilote Le Voyageur
  • Phoenix
  • Protec
  • Swift

Iveco-Motoren sind auch Standard in kleineren und mittleren Expeditionsmobilen verbaut.

  • Bimobil
  • Woelke
  • Exploryx
  • Dopfer
  • Bocklet
  • Kerkamm

Insbesondere große und sehr hochwertige Expeditionsmobile und so genannte Weltreise-Mobile setzen auf den Eurocargo-Motor

Offroad

Lange waren Offroad-Touren eine Domäne von Landrover, Tyota und Co - Iveco sorgte mit seinem 4x4-Konzept für einen Wandel in der Szene.

Sind alle Wohnmobile betroffen?

Die Anzahl der betroffenen Fahrzeuge ist mit 200.000 eher niedrig angesetzt und sagt eigentlich nur aus, dass die betroffenen Modelle mit Rückrufaktionen rechnen können und gegebenenfalls stillgelegt werden, falls keine Korrekturen im Rahmen von Rückrufaktionen durchgeführt werden. Die Erfahrungen im „deutrschen Abgasskandal“ haben gezeigt, dass vor deutschen Gerichten eine offizielle Rückrufaktion des Kraftfahrtbundesamtes für das Ergebnis einer Klage zwar förderlich, aber nicht unbedingt zwingend ausschlaggebend ist.

Die Kanzlei Brüllmann aus Stutttgart ist deutschlandweit führend bei der Durchsetzung von Schadenersatzansprüchen im VW-Wohnmobil-Bereich. Wir vertreten zahlreiche Besitzer von California-Modellen oder Bullis, die von speziellen Aufrüstern umgebaut wurden. Wir sind Kooperationsanwalt der IG Dieselskandal für den süddeutschen Raum.

 

 

 

 

 

Ansprechpartner

Sekretariat: Frau Kalaitsidou
Tel:  0711 / 520 888 - 29
Fax: 0711 / 520 888 - 23  
E-Mail: f.gisevius@bruellmann.de

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