Audi A8 im Abgasskandal - Audi zu Schadenersatz verurteilt

30.03.2021

Hinter dem Code 23X6 verbirgt sich der Rückruf für eine ganze Reihe verschiedener Audi-Modelle. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat den Rückruf angeordnet, damit bei den Fahrzeugen mit 3-Liter-Dieselmotor des Typs EA 896 bzw. EA 897 eine unzulässige Abschalteinrichtung entfernt wird.

Einen solchen Rückruf mit der Aufforderung ein Software-Update aufspielen zu lassen, hatte auch der Käufer eines Audi A8 erhalten. Er machte schließlich Schadenersatzansprüche geltend und hatte Erfolg. Das Landgericht Nürnberg-Fürth entschied mit Urteil vom 26. Februar 2021, dass er Anspruch auf Schadenersatz hat (Az.: 4 O 1981/20).

Der Kläger habe hinreichend substantiiert vorgetragen, dass in dem Fahrzeug eine unzulässige Abschalteinrichtung verwendet werde. Die Audi AG habe den Vorwurf nicht widerlegen können. Gegen Rücknahme des Fahrzeugs muss sie den Kaufpreis abzüglich einer Nutzungsentschädigung  erstatten bzw. den Kläger von seinen Verpflichtungen aus dem Darlehensvertrag freistellen.

Die Dieselmotoren mit 3 Liter Hubraum und mehr werden von Audi entwickelt und hergestellt. Sie kommen nicht nur in diversen Audi-Modellen zum Einsatz, sondern auch im Porsche Cayenne, Porsche Macan oder VW Touareg. Auch bei diesen Fahrzeugen mit 3-Liter-Dieselmotor bestehen im Abgasskandal gute Chancen, Schadenersatz durchzusetzen. Neben einer Reihe von Landgerichten haben inzwischen auch die Oberlandesgerichte Koblenz, Naumburg und Frankfurt die Audi AG wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung verurteilt.

An dieser Haftung von Audi ändert auch ein Urteil des BGH vom 8. März 2021 nichts (Az.: VI ZR 505/19). „Der BGH hat hier lediglich klargestellt, dass Audi bei den kleineren Dieselmotoren des Typs EA 189 nicht in der Haftung steht, da sie nicht von Audi, sondern von der Konzernmutter VW hergestellt wurden. Heißt, dass bei diesen Fahrzeugen der Schadenersatzanspruch gegen VW geltend gemacht werden muss, was aber ohnehin im überwiegenden Teil der Fälle geschehen ist“, erklärt Rechtsanwalt Frederick M. Gisevius, BRÜLLMANN Rechtsanwälte.

Rückenwind haben Schadenersatzklagen im Abgasskandal durch den Europäischen Gerichtshof bekommen. Der EuGH hat mit Urteil vom 17. Dezember 2020 klargestellt, dass Abschalteinrichtungen grundsätzlich unzulässig sind, wenn sie im realen Straßenverkehr zu einem höheren Emissionsausstoß führen und Ausnahmen nur sehr begrenzt zulässig sind (Az.: C-693/18).

Die Kanzlei BRÜLLMANN Rechtsanwälte ist Kooperationspartner der IG Dieselskandal und bietet Ihnen eine kostenlose Ersteinschätzung Ihrer Möglichkeiten an. Sprechen Sie uns an.

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Aktuelles
17.06.2021

Geschädigte Autokäufer können sich im VW-Abgasskandal auch dann Chancen auf Schadenersatz machen, wenn sie das von den Abgasmanipulationen betroffene Fahrzeug bereits weiterverkauft haben. Das wurde in zwei Verfahren am BGH am 15. Juni 2021 deutlich (Az.: VI ZR 575/20 und VI ZR 533/20).
15.06.2021

Nun wird auch für BMW die Luft im Abgasskandal dünner. Mit Urteil vom 28. Mai 2021 hat das OLG Köln entschieden, dass ein Kläger schlüssig und hinreichend substantiiert vorgetragen hat, dass BMW eine unzulässige Abschalteinrichtung verwendet habe. Daher könne ein Anspruch des Klägers auf Schadenersatz bestehen, so das OLG Köln (Az.: 19 U 134/29).
14.06.2021

Im Abgasskandal geraten nun auch die französischen Autobauer Renault und Peugeot unter Druck. Nach Medienberichten hat die französische Justiz Ermittlungsverfahren wegen Betrugs gegen die Autohersteller eröffnet.
10.06.2021

Fiat Chrysler Automobiles, inzwischen Stellantis, ist im Abgasskandal von einem weiteren Gericht zu Schadenersatz verurteilt worden. Das Landgericht Gera entschied mit Versäumnisurteil vom 31. Mai 2021, dass Fiat Schadenersatz bei einem Wohnmobil leisten muss (Az.: 7 O 103/21).
09.06.2021

Die Audi AG muss im Abgasskandal einen Audi Q7 3.0 Liter TDI zurücknehmen und den Kaufpreis abzüglich einer Nutzungsentschädigung erstatten. Das hat das Landgericht Berlin mit Urteil vom 23. April 2021 entschieden (Az.: 3 O 550/20). Der Kläger hatte den Audi Q7 im Mai 2017 als Gebrauchtwagen gekauft. In dem Fahrzeug kommt ein Drei-Liter-Dieselmotor mit der Abgasnorm Euro 6 zum Einsatz. Das Modell wurde vom Kraftfahrt-Bundesamt zurückgerufen. 
08.06.2021

Schadenersatzansprüche können im VW-Abgasskandal nach wie vor geltend gemacht werden. Geschädigte Autokäufer haben immer noch Anspruch auf den sog. Restschadenersatz. Diesen Anspruch hat nun auch das Landgericht Rottweil mit Urteil vom 10. Mai 2021 bestätigt (Az.: 2 O 525/20).