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Schadenersatzansprüche im Audi-Abgasskandal nicht verjährt

21.03.2022

Schadenersatzansprüche gegen Audi können im Abgasskandal immer noch geltend gemacht werden. Die Audi AG hat innerhalb des VW-Konzerns die größeren Dieselmotoren mit 3 Litern und mehr Hubraum entwickelt und hergestellt. Diese Motoren sind in zahlreichen Audi-Modellen sowie in den Porsche SUVs Macan und Cayenne oder dem VW Touareg zum Einsatz gekommen. Aufgrund unzulässiger Abschalteinrichtungen wurden zahlreiche Fahrzeuge mit diesen Motoren vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) zurückgerufen.

In vielen Fällen können geschädigte Verbraucher ihren Schadenersatzanspruch nach wie vor geltend machen. Das KBA hat für verschiedene Audi-Modelle unter dem Code 23X6 den Rückruf für zahlreiche Audi-Modelle angeordnet, damit eine unzulässige Abschalteinrichtung bzw. eine unzulässige Reduzierung der Wirksamkeit des Emissionskontrollsystems entfernt wird. Zahlreiche Gerichte haben bereits entschieden, dass die Audi AG sich durch die Verwendung der unzulässigen Abschalteinrichtungen wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung gemäß § 826 BGB schadenersatzpflichtig gemacht hat.

Es bestehen also gute Chancen, Schadenersatzansprüche durchzusetzen. Allerdings muss die Verjährungsfrist beachtet werden. Im Abgasskandal ist von der dreijährigen kenntnisabhängigen Verjährungsfrist auszugehen. „Für den Anlauf der Verjährungsfrist ist dabei die Kenntnis des Geschädigten entscheidend. Diese Kenntnis wird in der Regel mit dem Erhalt des Rückrufs vorausgesetzt“, erklärt Rechtsanwalt Frederick M. Gisevius, BRÜLLMANN Rechtsanwälte. Wer den Rückruf im Laufe des Jahres 2019 oder später erhalten hat, kann also nach wie vor Schadenersatzansprüche geltend machen.

Viele Rückrufe im Audi-Abgasskandal wurden allerdings schon 2018 verschickt. In diesen Fällen kann ebenfalls noch Schadenersatz durchgesetzt werden. Auch wenn die Verjährung für den Schadenersatzanspruch wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung dann Ende 2021 eingetreten ist, kann immer noch der Anspruch auf den sog. Restschadenersatz gemäß § 852 BGB geltend gemacht werden. Der BGH hat am 21.02.2022 entschieden, dass dieser Anspruch im Abgasskandal besteht (Az.: VIa ZR 8/21 und VIa ZR 57/21). Vorteil für die geschädigten Verbraucher: Der Anspruch auf Restschadenersatz verjährt erst auf den Tag genau zehn Jahre nach Kauf des Autos. „Voraussetzung ist allerdings, dass das Fahrzeug als Neuwagen gekauft wurde“, so Rechtsanwalt Gisevius.

Für den geschädigten Autokäufer macht es kaum einen Unterschied, ob er Schadenersatz nach § 826 BGB oder Restschadenersatz nach § 852 BGB erhält. In beiden Fällen kann er gegen Rückgabe des Fahrzeugs die Erstattung des Kaufpreises abzüglich einer Nutzungsentschädigung für die gefahrenen Kilometer verlangen.

Auch wenn der Restschadenersatzanspruch erst zehn Jahre nach Kauf des Autos verjährt, sollten Schadenersatzansprüche möglichst schnell geltend gemacht werden. „Denn mit jedem weiteren gefahren Kilometer steigt die Nutzungsentschädigung, die sich der Verbraucher anrechnen lassen muss“, sagt Rechtsanwalt Gisevius.

Die Kanzlei BRÜLLMANN Rechtsanwälte ist Kooperationspartner der IG Dieselskandal und bietet Ihnen eine kostenlose Ersteinschätzung Ihrer Möglichkeiten an. Sprechen Sie uns an.

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Aktuelles
06.07.2022

Im Abgasskandal hat der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) im Juli 2021 eine Musterfeststellungsklage gegen Mercedes eingereicht. Ein Jahr später wird das Musterverfahren am OLG Stuttgart am 12. Juli 2022 eröffnet. Verbraucher, die sich der „Sammelklage“ noch anschließen möchten, können sich bis zum 11. Juli 2022 in das Register eintragen.
29.06.2022

Im Zuge des Abgasskandals ermittelt die Staatsanwaltschaft Frankfurt nun auch gegen die Autobauer Hyundai und Kia. Nach Medienberichten wurden am 28. Juni 2022 Räumlichkeiten an den deutschen Firmensitzen von Hyundai und Kia in Offenbach bzw. Frankfurt durchsucht. Anlass für die Razzia ist der Verdacht illegaler Abschalteinrichtungen bei Dieselfahrzeugen der koreanischen Autohersteller.
27.06.2022

Im Abgasskandal geht ein Mercedes V 250 Diesel zurück und der Käufer kann im Gegenzug die Erstattung des Kaufpreises abzüglich einer Nutzungsentschädigung für die gefahrenen Kilometer verlangen. Das hat das Landgericht Stuttgart mit Urteil vom 6. Mai 2022 entschieden (Az.: 17 O 827/21).
22.06.2022

Die Audi AG musste im Abgasskandal eine weitere Niederlage bei einem Fahrzeug mit 3-Liter-Dieselmotor hinnehmen. Das Landgericht Düsseldorf verurteilte die VW-Tochter zu Schadenersatz bei einem Audi A6 3.0 TDI. In dem Fahrzeug komme eine unzulässige Abschalteinrichtung zum Einsatz. Dadurch sei die Käuferin vorsätzlich sittenwidrig geschädigt worden, entschied das LG Düsseldorf mit Urteil vom 25. Mai 2022 (Az.: 16 O 345/20).
21.06.2022

Fiat Chrysler ist im Wohnmobil-Abgasskandal erneut verurteilt worden. Das Landgericht Coburg hat mit Versäumnisurteil vom 4. Mai 2022 entschieden, dass Fiat Chrysler Schadenersatz bei einem Wohnmobil des Typs Adria Matrix leisten muss (Az.: 13 O 824/21). Das Wohnmobil basiert auf einem Fiat Ducato mit 2,3 Liter-Dieselmotor.
20.06.2022

Im Abgasskandal hat das Landgericht Dortmund Fiat Chrysler mit Urteil vom 3. Mai 2022 zu Schadenersatz bei einem Wohnmobil Carado T 447 verurteilt (Az.: 3 O 542/20). Das Gericht kam zu der Überzeugung, dass in dem Wohnmobil eine unzulässige Abschalteinrichtung verbaut ist und Fiat Chrysler als Hersteller des Motors wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung gemäß § 826 BGB Schadenersatz leisten muss.