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Wohnmobile im Sog des Abgasskandals

15.11.2021

Die Wohnmobil-Saison ist für dieses Jahr größtenteils beendet. Viele Fahrzeuge sind in ihrem Winterquartier untergebracht, bevor es im kommenden Frühling wieder auf die Straße und die Campingplätze geht. Die Winterpause können Camper, deren Wohnmobil von Abgasmanipulationen betroffen ist, auch nutzen, um gegen Händler oder Hersteller vorzugehen und Schadenersatzansprüche geltend zu machen. Denn der Abgasskandal hat längst auch die Wohnmobil-Branche erreicht. Besonders betroffen sind Wohnmobile, die auf einem Fiat Ducato basieren.

Abgasmessungen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) und auch des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) bei Wohnmobilen auf Basis eines Fiat Ducato haben gezeigt, dass sowohl Modelle mit der Abgasnorm Euro 5 als auch der Schadstoffklasse Euro 6 die gesetzlichen Grenzwerte für den Stickoxid-Ausstoß übersteigen. Erst Fahrzeuge mit der Abgasnorm Euro 6d oder Euro 6dTemp halten offenbar die zulässigen Grenzwerte ein.

Dass die betroffenen Wohnmobile die Grenzwerte für den Stickoxid-Ausstoß auf dem Prüfstand einhalten, unter normalen Betriebsbedingungen im Straßenverkehr jedoch zum Teil deutlich überschreiten, kann als deutlicher Hinweis auf die Verwendung unzulässiger Abschalteinrichtungen verstanden werden. Das KBA prüft nach eigenen Angaben, ob rechtliche Schritte eingeleitet werden können, um die unzulässigen Abschalteinrichtungen entfernen zu lassen. Das heißt, dass auf die Wohnmobil-Besitzer ein verpflichtender Rückruf zukommen könnte.

Der Verdacht, dass auch Fiat unzulässige Abschalteinrichtungen verwendet hat, ist nicht neu. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ließ schon im Sommer 2020 Geschäftsräume von Fiat Chrysler Automobiles durchsuchen. Bei den Ermittlungen geht es um den Verdacht unzulässiger Abschalteinrichtungen bei Fahrzeugen der Marken Fiat, Alfa Romeo, Jeep und Iveco mit der Abgasnorm Euro 5 und Euro 6. In den Fokus sind dabei auch Wohnmobile geraten, die einen Fiat Ducato oder Iveco Daily als Basis nutzen.

Betroffene Wohnmobil-Besitzer müssen nicht auf einen Rückruf des KBA warten, sondern können schon jetzt Schadenersatzansprüche geltend machen. Inzwischen liegt schon eine Reihe verbraucherfreundliche Entscheidungen vor. Verschiedene Gerichte haben schon entschieden, dass in Wohnmobilen auf Basis eines Fiat Ducato eine unzulässige Abschalteinrichtung verbaut ist und die Käufer Anspruch auf Schadenersatz haben.

Das Landgericht Stade hat mit Urteil vom 17. August 2021 entschieden, dass der Kaufvertrag nicht zwingend rückabgewickelt werden muss, sondern auch Anspruch auf den sog. kleinen Schadenersatz besteht (Az.: 2 O 175/21). Das heißt, dass der Kläger das Wohnmobil behalten kann, aber Anspruch auf Ersatz des Minderwerts hat, den das Fahrzeug durch die Abgasmanipulationen erlitten hat.

Ansprüche können sowohl gegen den Hersteller als auch gegen den Händler bestehen. Zu beachten ist, dass Ansprüche gegen den Händler in der Gewährleistungsfrist geltend gemacht werden müssen. Die Gewährleistungsfrist beträgt bei Neufahrzeugen zwei Jahre und ein Jahr bei Gebrauchtfahrzeugen.

Abgas-Skandal

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Aktuelles
12.05.2022

Der Abgasskandal hat auch zahlreiche Audi-Modelle mit 3-Liter-Dieselmotor erfasst. Die betroffenen Halter haben gute Aussichten, Schadenersatzansprüche durchzusetzen. Das zeigt auch ein Urteil des OLG Karlsruhe vom 17. Februar 2022 (Az.: 8 U 451/21). Das OLG hat entschieden, dass der Käufer eines Audi A6 Anspruch auf Schadenersatz wegen vorsätzlicher sittenwidriger Täuschung hat.
06.05.2022

Fiat Chrysler Automobiles ist im Wohnmobil Abgasskandal ein weiteres Mal zu Schadenersatz verurteilt worden. Das Landgericht Dessau sprach mit Urteil vom 14. April 2022 dem Käufer eines Wohnmobils des Herstellers Knaus, das auf einem Fiat Ducato aufbaut, Schadenersatz zu (Az. 4 O 315/21).
02.05.2022

Fiat Chrysler ist im Abgasskandal um Wohnmobile auf Basis eines Fiat Ducato erneut zu Schadenersatz verurteilt worden. Das Landgericht Stuttgart kam mit Urteil vom 14. April 2022 zu der Überzeugung, dass Fiat in dem Motor eine unzulässige Abschalteinrichtung verwendet hat und gemäß § 823 BGB zu Schadenersatz verpflichtet ist (Az.: 20 O 147/21).
29.04.2022

Das Landgericht Hamburg hat Mercedes im Abgasskandal mit Urteil vom 19. April 2022 zu Schadenersatz verurteilt (Az.: 317 O 154/20). Das Gericht kam zu der Überzeugung, dass im Mercedes C 220 Diesel des Klägers eine unzulässige Abschalteinrichtung verbaut ist und Mercedes sich schadenersatzpflichtig gemacht hat.
28.04.2022

Suzuki steht unter Verdacht, unzulässige Abschalteinrichtungen bei Dieselfahrzeugen verwendet zu haben. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ließ deshalb am 27. April 2022 Geschäftsräume von Suzuki im südhessischen Bensheim untersuchen.
26.04.2022

Eine Entscheidung des OLG Köln dürfte ein Meilenstein für die Durchsetzung von Schadenersatzansprüchen im Wohnmobil-Abgasskandal sein: Das OLG Köln kündigte mit Beschluss vom 24. Februar 2022 an (Az.: 28 U 55/21), die Berufung von Fiat Chrysler Automobiles (FCA) gegen ein Urteil des Landgerichts Aachen zurückzuweisen.